Logistik – ein durchdachtes System

Für die wirtschaftliche Errichtung und den Betrieb eines Windenergieparks auf See sind Anlagen im Multi-Megawattbereich notwendig, deren Komponenten zunehmend größer und schwerer werden. Die technologischen Entwicklungen hin zu immer größeren Anlagen stellen die Logistik an Land vor wachsende Herausforderungen, da die Grenzen für den Transport von Komponenten, wie etwa die rund 50 m langen Rotorblätter per Straße oder Schiene nahezu erreicht sind. So erlangen zukünftig Binnengewässern und Binnenhäfen für den Transport von großen Anlagenteilen eine wachsende Bedeutung. Doch noch werden die Komponenten für die Offshore-Windenergieanlagen häufig aus dem Hinterland über Straßen oder Schienen bis zu den Hafenstandorten transportiert. So entsteht ein zunehmender Wettbewerb der Hafenstandorte bei der Etablierung als Offshore-Zentrum.Daher sind durchdachte Logistikkonzepte vom Produktionsstandort bis zu den Hafenstandorten und der Verladung auf die Transportschiffe notwendig. Die Seehäfen stellen dabei eine wichtige Schnittstelle zwischen der landseitigen und der seeseitigen Logistik dar.

Besonderheiten der Logistik in der Offshore-Windenergie

  • Wichtig für die wirtschaftliche Errichtung von Offshore-WEA ist die Reduzierung von Offshore-Arbeiten, denn die Arbeitskosten auf See übersteigen jene im Hafen bis um das Dreifache.
  • Die Zugangsbedingungen auf See sind aufgrund der Witterungsverhältnisse schwierig und die verfügbaren Arbeitstage werden durch Seegang und Wind stark eingeschränkt.
  • Die Offshore- Windindustrie ist demnach bestrebt, Offshore-Komponenten weitestgehend an Land vorzumontieren und auf See ganze Anlagen (bzw. Module) zu installieren.
  • Die Anlagen-Komponenten (Fundament, Turmsegmente, Rotor, Rotorblätter) werden im Basishafen zwischengelagert und vorgestaut. In den Basishäfen wird in der Regel das bordeigene Umschlaggerät eingesetzt, wofür die Hubschiffe/-plattformen (s.g. Jack-Up Bargen) im Hafen aufgejackt bzw. aufgebockt werden.
  • Im Gegensatz zum Transport einzelner Teilkomponenten kann die Offshore-WEA auch komplett im Hafen montiert (Turmsegmente, Gondel und Rotorblätter) und als ganze Anlage verschifft und auf dem Fundament installiert werden.

Logistikkosten haben mit einem Anteil von 5 bis 25 Prozent (in Abhängigkeit der Küstenentfernung und der verwendeten Komponenten; insbesondere Fundamente) an den Investitionskosten für einen Offshore-Windpark. Die Logistik hat somit erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit eines Windparks.

Bereits realisierte Projekte und Standortentscheidungen in und aus der Region Ems-Achse

  • Fertigung, Installation und Betrieb des Windparks BARD Offshore 1. Der Park ist das bisher am weitesten entfernte Projekt (rd. 100 km off shore) unter den realisierten deutschen OWP.
  • In Norden (Norddeich) wurde für den Betrieb des Parks alphaventus ein Basisstandort an Land eingerichtet. (Reederei Norden-Frisia). Bei Störfällen wird ein Helikopter eingesetzt. Der Helikopterstandort ist Emden.
  • Dong Energy organisiert vom Hafen Norddeich aus den Aufbau des Offshore-Windparks Borkum Riffgrund 1. Zudem baut Dong in Norddeich eine Offshore-Zentrale für die zukünftige Versorgung der Windparks (geplante Fertigstellung 03/2015)
  • Borkum fungierte als Basishafen für den Bau des Offshore-Windparks „Riffgat“, an der Ostkaje hat die RIFFGAT GmbH zu diesem Zweck ein Containerdorf errichtet.

Trends im Bereich Logistik

  • Komponenten werden zunehmend größer und schwerer. Grenzen für den Transport per Straße oder Schiene sind nahezu erreicht.
  • Zunehmende Abstimmungen unter den Marktakteuren und bessere Abstimmung hinsichtlich der einzelnen Technologien
  • Leistungsfähigere Transportmittel und neue Installationstechnologien (z. B. Ampelmann Transfer System, das ganzjährig den Transfer mit einem Schiffsbewegungen ausgleichenden Transfer von Transportschiff zur Windkraftanlage gewährleistet)
  • LiDAR-Messbojen bieten neuartige Möglichkeiten in Bezug auf Windmessungen
  • Windpark-übergreifende Betriebs- und Wartungskonzepte
  • Verbesserte Hafeninfrastruktur (Bootlandings, Kräne etc.)
  • Konsolidierung des Marktes
  • intensive Kostensenkungsbestrebungen